Ich, Hector, suche ……

 

Aus dem Leben eines griechischen Hundewelpen, der auszog, um in Deutschland

sein Glück zu finden …..

Damit Ihr wisst, wer Euch diese Geschichte erzählt, hier mein Steckbrief: Hector, Schäferhund-Mischling, geb. Oktober 2011. Ich wurde als ganz kleiner Welpe vor die Tür einer griechischen Tierschützerin gelegt, die mich und meine zwei Geschwister dann aufgepäppelt hat. Als wir vier Monate alt waren, änderte sich unser Leben schlagartig! Ich erinnere mich noch, dass mich jemand in eine Box steckte und ich mitbekam, dass die Rede von Deutschland war. Hähh? Deutschland? Was ist das? Ich war total aufgeregt. Nach einer langen Zeit, in der es finster und wackelig in der blöden Box war, wurde ich irgendwie umgeladen, dann auf einen Wagen gepackt und ich hörte viele Stimmen. Auf einmal kam jemand an die Box und öffnete die Tür …. ich, forsch wie ich war, steckte die Nase raus und sah einen Mann und eine Frau, die sich zu mir herunterbeugten.

Was wollten denn die von mir??? Die Frau legte mir ein Halsband uns eine Leine an – grrr –

dann nahm sie mich auf den Arm. Heee Du …. ich will selbst laufen, ich bin schon gross!! Die Frau ging unbeirrt weiter. Dann luden sie mich in ein Auto und weiter ging`s. Im nach hinein erfuhr ich, dass das mein Pflegefrauchen mit ihrem Freund war, die mich in Frankfurt am Flughafen abgeholt haben. Nach ungefähr einer Stunde hielt das Auto, Pflegefrauchen hob mich raus und wir gingen in ein Haus. Was war das – da war schon ein Hund! Juhuuu … jemand zum Spielen! Schnell merkte ich, dass die Hundedame aber schon älter als ich war und zum Spielen so gar keine Lust hatte! Egal, das scheint jetzt mein Zuhause zu sein. Am nächsten Morgen durfte ich mit Pflegefrauchen ins Büro – das war lustig! Jeder streichelte mich und gab mir Leckerchen! Ich gewöhnte mich schnell an mein neues Leben und genoss es in vollen Zügen – die Streicheleinheiten, die Spaziergänge, das „Kabbeln“ mit der grossen Schwester – mein Leben war in Ordnung. Vier Wochen später änderte sich mein Leben schlagartig. Ein junger Mann mit seiner Freundin kamen zu Frauchen ins Büro und „begutachteten“ mich. Ich, freundlich wie ich damals war, habe mich mal gleich „eingeschleimt“. Ich hörte nur: „Ja, den nehmen wir!“, dann waren sie wieder weg. Eine Woche später war es dann soweit: sie holten mich ab! Die Beiden sollten mein neues, „richtiges“ Frauchen und Herrchen werden! Juhuuu – ein eigenes Zuhause! Ab diesem Zeitpunkt habe die Erinnerung irgendwie „ausgelöscht“ – die folgenden vier Monate möchte ich lieber vergessen …..

Denn nach vier Monaten brachte mich mein Herrchen wieder zurück zu Pflegemama – er hätte sich von seiner Freundin getrennt und ich müsste jetzt 9 Stunden alleine bleiben … wenn sie mich nicht nehmen würde, brächte er mich ins Tierheim. Pflegemama nahm mich natürlich ….., sie hatte allerdings keine Ahnung, wie ich jetzt „drauf“ war ….. Da saß ich also wieder in dem Büro, das ich wiedererkannte …. als mein Herrchen ging, machte ich keinerlei Anstalten nachzugehen, ich legte mich stattdessen auf die Decke, die ich ja noch aus meiner „Pflegezeit“ kannte. Ich war inzwischen neun Monate alt, ein schöner, grosser Rüde ….aber mein Herz war gebrochen. Was sollte das?

Ich bin doch kein Wanderpokal!

Pflegemama gab sich grosse Mühe, obwohl ich ihr das Leben wahrlich nicht leicht machte! Sie merkte schnell, dass ich in den letzten vier Monaten nichts dazugelernt, sondern im Gegenteil mich zu meinem Nachteil verändert hatte. Konnte sie vorher mit uns beiden, meiner Pflegeschwester und mir, spazieren gehen, so musste sie jetzt einzeln mit uns laufen, da ich an der Leine zog wie ein Besessener, vor allem Angst hatte – vor allem vor Kindern! – alles anbellte und durch und durch ein unsicherer, traumatisierter Hund war. Aber Pflegemama gab nicht auf …. dank ihrer Geduld kann ich jetzt, nach sieben Monaten bei ihr, sagen, meine Ängste einigermaßen im Griff zu haben. Ich mag Kinder immer noch nicht, aber ich raste nicht mehr aus, wenn ich welche sehe oder höre; Laufen an der Leine ist immer noch anstrengend, aber machbar; Fremde belle ich immer noch an, aber es wird auch schon besser. Es waren inzwischen auch schon Interessenten bei uns, die aber dann doch Abstand nahmen – ich war ihnen einfach zu schwierig. Wobei ich zugeben muss, dass ich mich bei solchen Anlässen auch nicht von meiner „Schokoladenseite“ gezeigt habe – ich will nicht wieder weg!!! Ich habe auch schon mitbekommen, dass Pflegemama mich am liebsten behalten würde, aber das ginge aufgrund der derzeitigen Lebensumstände nicht …. warum denn nicht, Mama??? Ich bin doch eigentlich ein gaaaanz Lieber!!! So habe ich immer Angst, dass ich doch wieder gehen muss…….

Das ist auch der Grund, warum ich Euch meine Geschichte erzählt habe: bitte, bitte überlegt es Euch genau, bevor Ihr einen Hund adoptiert! Wir alle möchten ein Zuhause, aber wir wollen keine Wanderpokale werden! Es tut uns weh, wenn wir unser „Zuhause“ immer wieder verlieren und – was am schlimmsten ist – wir verlieren das Vertrauen in Euch Menschen!

 

 

 

Patras Hunde e.V.    renate.dueser@t-online.de